Tea Experience 1: Teepflücken in Teeplantagen

❂ Sie lieben Tee? Dann ergeht es Ihnen wie mir! Aber haben Sie sich einmal gefragt, wo die eigentliche Heimat der Teepflanzen ist und wie das köstliche Getränk hergestellt wird? Allein der Produktionsprozess ist hochinteressant. Alles beginnt beim “Tea Plugging”, denn allein in den Blättern steckt das ganze Tee-Aroma ❂

Wer eine Sri Lanka-Rundreise plant, sollte unbedingt ein paar Tage in Mandaramnuwara einplanen. Diese Region liegt im Herzen des Inselstaates, jeweils rund 90 Minuten von der UNESCO-Stadt Kandy oder Nuwara Eliya entfernt – die bekannteste Gegend für Teeanbau.

Ich wollte mich unbedingt im Erlebnishotel “Tea & Experience Factory” einquartieren, denn ich hatte nur Gutes über dieses Designhotel mit eigener Produktionsstätte gehört.

Über Jahrzehnte hat die Hotelgruppe “Theme Resorts & Spa” eine alte Teefabrik umgebaut, liebevoll renoviert und dabei die “Essenz” ganz und gar belassen. Der Gewerbebetrieb ist hier nach wie vor in vollem Gange, und auch die alten Maschinen werden immer noch eingesetzt.

Sehen Sie hier die faszinierenden “Vorher-Nachher-Fotos”, und wie originell diese hippe Unterkunft ist…

tory


Mit von der Partie in den Teeplantagen

Jeder Gast in diesem Hotel bekommt die einmalige Gelegenheit, sich voll und ganz einzubringen und den Mitarbeitern im Werk und auf dem Feld zu helfen. Zunächst einmal bekam ich von einer Singhalesin nach einem aufwendigen Wickel-Prozess einen landestypischen, indischen Sari verpasst…

… und begab mich schließlich langsam und schrittchenweise in Richtung Jeep, der bereits vor dem Hotel auf mich und meinen Begleiter wartete. “So schön das aussehen mag, ist es doch eher mühsam”, dachte ich mir im Stillen. “Wie schaffen das nur die Pflückerinnen, die sich täglich in diesem Gewand durch die verschlungenen Plantagen bewegen?”

In der Tat ist dies eine schwierige Aufgabe! Wie ich am eigenen Leib erlebte, ist es nicht nur ein Akt, im “langen Kleid” in den Geländewagen zu steigen, sondern spätestens beim “Tea Plugging” bleibt man ständig in den Wurzeln der Teesträucher hängen. Aber was soll’s: Übung macht den Meister…, und ich wollte auf jeden Fall einen authentischen Alltag der Singhalesen erleben.

Ohne ein Fahrzeug mit Allradantrieb läuft in dieser Gegend gar nichts! Bereits die Anfahrt zum Hotel ging über Stock und Stein und dauerte seine Zeit. Man muss sich also auf eine holprige Ankunft gefasst machen, bis die Wege hinauf ins Bergmassiv irgendwann einmal geteert sind.

Uns war’s egal, denn der Weg ist das Ziel! Und was einen schließlich in der “Tea & Experience Factory” erwartet, entschädigt für die etwas anstrengende, 30-minütige Anfahrt über einen steinigen, unebenen Waldweg.

Die Fahrt zu den Teeplantagen ist hingegen harmlos, denn diese sind nur “einen Katzensprung” vom Hotel entfernt.

Zudem ist die Landschaft so umwerfend schön, dass der erste Tag unsers Aufenthaltes voller Vorfreude beginnt! Am Nachmittag ist eine Tour in der Fabrik geplant, wo der Produktionsprozess genau erklärt wird.


Aufwendiges Handwerk: Schwerstarbeit in den Plantagen

Doch zunächst werden wir die nächsten Stunden beim Teepflücken zusehen und selber lernen, wie man die jungen Pflänzchen richtig vom Stengel abzupft.

Das ist schon eine Kunst für sich! Allein die richtige Auswahl entscheidet, ob das Endprodukt exzellent sein wird. Der morgendliche Aufenthalt in den saftig grünen Teeplantagen macht Freude, aber natürlich komme ich mit meinen bescheidenen Fähigkeiten nicht mit!

In meinen Sari gekleidet, verheddere ich mich zwischen den Sträuchern und kann – trotz professioneller Anleitung – keineswegs auf den ersten Blick erkennen, welche Blätter für die Ernte geeignet sind!

Dabei ist genau diese Fähigkeit bei diesem ersten Prozess der Teeherstellung absolut entscheidend: nämlich in Sekunden festzustellen, wann die Blätter der Teepflanzen den gewünschten Reifegrad erreicht haben. Nur diese Blätter dürfen extrahiert werden, damit das verbleibende Blattwerk auf der Pflanze den Reifungsprozess fortsetzen kann.

Dies ist wohl auch der Grund, warum der Tee seit Generationen immer noch manuell gepflückt wird. Jedes Blatt kann visuell beurteilt werden, bevor es gezupft und in den Korb oder Sack geworfen wird, der am Rücken der Pflückerinnen festgezurrt ist. Maschinen würden die Knospen, Blüten und Blätter lediglich wahllos “abgrasen” und der Qualitätsanspruch wäre dahin. Traditionell wird diese Tätigkeit von Frauen ausgeübt.

Grundsätzlich gilt: Bei Spitzentees wird jeweils nur die oberste, ungeöffnete Knospe mit den darauf folgenden, jüngsten Blättern eines jeden Triebes geerntet. Die Faustregel auf Englisch heißt: “Two leaves and a bud”. Ältere Blätter verursachen einen bitteren Geschmack und sind irrelevant. Die durchschnittliche Pflückleistung beträgt etwa 16–24 kg grünes Blattgut am Tag. Mathematisch gesehen müssen für 1 kg fertigen Schwarztee rund 8 kg an frischen Teeblättern gepflückt werden.

Mein Fazit: Diese “Handarbeit” ist Schwerstarbeit. Dafür braucht es neben Konzentration und Ausdauer vor allem geschulte Augen, geschickte Hände und eine beträchtliche Erfahrung. Die Pflückerinnen verdienen meine Hochachtung!


“Ceylon Tea”: Symbol für Genuss

Über 150 Jahre hinweg hat sich der Name Ceylon zum Synonym für den besten Tee der Welt entwickelt. “Was der Rolls-Royce für Autos ist, die Rolex für Uhren, die Havanna für Zigarren und Schottland für Whisky, ist Ceylon für Tee”, heißt es auf der offiziellen Webseite des Sri Lanka Tea Board.

“Über 120 Millionen Tassen Tee werden in Deutschland täglich getrunken”, schreibt der Deutsche Teeverband auf seiner Homepage. Und: “Zu den wichtigsten Anbauländern gehören Indien, Kenia, Indonesien, China und Sri Lanka. Dort wird überwiegend Schwarzer Tee produziert, sowie Grüner Tee in kleineren Mengen.”

Nur zwei Teepflanzen sind die Basis für qualitativ hochwertigen Tee, nämlich die “Camellia assamica” und die “Camellia Sinensis”. Letztere wächst in Mandaramnuwara in rauen Mengen und verträgt auch niedrigere Temperaturen – was hier in den Bergen leicht passieren kann.


“Very British”: Auch das Wetter ist typisch englisch

In der Tat wurde es während unseres 3-tägigen Aufenthalts in der “Tea & Experience Factory” zeitweise richtig kühl – vor allem Nachts. Gerade im sonst so warmen Tropenland ist es ein kleiner Schock, plötzlich bei 10° zu vor sich hin zu frösteln! Zentralheizung gibt’s in der umgebauten alten Fabrik natürlich nicht, nur ein winziger Ofen im Zimmer spendet ein wenig Wärme.

Nicht umsonst wird die Kreisstadt der Mandaramnuwara Region vielsagend “Misty City” genannt, da sie von den angrenzenden, bis zu 2,500 Meter hohen Gebirgszügen beschattet wird und den größten Teil des Tages in Nebel gehüllt ist. Also unbedingt einen Pulli einpacken, will man hier ein paar Tage wohnen und den Geheimnissen des Tees auf den Grund gehen.

Wir hatten allerdings Glück! Am Tag der “Tea Experience Tour” wurden wir mit strahlendem Sonnenschein belohnt und die Landschaft um uns herum verwandelte sich in ein Märchenland.


“Tee-Unterricht” von Nalin Liyanagedara

Mitten in den Plantagen von Mandaramnuwara bekommen wir eine intensive “Schulung” vom Produktionsmanager der hoteleigenen Fabrik. Wie wir von ihm erfahren, beginnt jeder Produktionsprozess genau hier in den “Teegärten”.

Die eigentliche Herstellung folgt jedoch nach dem Pflücken. Der schwarze Tee entsteht durch das Fermentieren von grünen Teeblättern des immergrünen Teestrauchs. Hierbei oxidieren die Blätter in einer feuchten Umgebung und entfalten so ihr volles Aroma.

Nach unserem Ausflug ins Grüne werden wir im Fabrikgebäude der “Tea & Experience Factory” die 5 wichtigsten Abläufe der Teeherstellung sehen können. Man nennt diese entscheidenen Phasen der Verarbeitung auch “orthodoxe Produktion”.

Dazu gehören: 1) Welken. 2) Rollen. 3) Oxidation 4) Trocknen 5) Sortieren.

Doch davon später…


Qualität und Vielfalt des schwarzen “Ceylon Tees”

Sri Lanka Tees sind an ihrer goldenen Farbgebung und einem blumigen, frischen Duft erkennbar. Wir lernen: Der Geschmack variiert je nach Herkunftsregion, wobei die Tees, deren Blätter im Hochland geerntet wurden, besonders aromatisch sind.

Im Vergleich zu anderen “Tee-Ländern” kann vor allem Sri Lanka ein besonders großes Sortiment anbieten, so Tee-Experte Nalin. Dies liegt vor allem an den 7 Anbaugebieten mit 7 verschiedenen Böden und 7 verschiedenen Klimazonen. Diese sorgen für eine große Vielfalt an Geschmacksrichtungen, Aromen, Stärken und Farben.

Die meisten Teeanbaugebiete befinden sich rund um den Berg “Adam’s Peak” im Zentralen Hochland, das von der UNESCO als “Weltnaturerbe” gelistet ist. Besonders bekannt ist dort die Region Nuwara Eliya, das aufgrund des deutlich kolonialen Einschlags auch gerne “Little England” genannt wird. Ich werde separat über meine Reise in diese Gegend berichten!

Insgesamt gibt’s rund 600 Teefabriken auf der Insel, doch diese sind in der Regel für Besucher nicht zugänglich. Nur einige “Showrooms” für Touristen sind geöffnet, die von allen Reiseveranstaltern angefahren werden.

Anders ist es hier in Mandaramnuwara, wo wir als Hotelgäste der “Tea & Experience Factory” einen Tag lang den wahren Alltag der Akteure miterleben dürfen. Schön für Besucher, die beim Teepflücken dabei sein wollen: Geerntet wird das ganze Jahr über!

Hätten Sie’s gewußt? Ursprünglich brachten die Briten im Jahre 1824 die ersten Teepflanzen nach Ceylon – damals stand allerdings noch der Kaffeeanbau im Fokus. Kaum jemand ist heute noch bewusst, dass Ceylon seit 1505 sogar das Pionierland des kolonialen Kaffeeanbaus war – bis eine schwere Pilzkrankheit (“Kaffeebleiche”) diese Art der Bepflanzung jäh beendete. Durch den Schädlingsbefall wurden im Jahre 1869 alle Felder vollständig zerstört.

Fortan fand man auf Sri Lanka anstatt Kaffeebüsche die fruchtbaren Teesträucher. Bis heute ist Tee das wichtigste Agrargut des Landes; Sri Lanka gehört zu den fünf größten Teeproduzenten und den wichtigsten Tee-Exportnationen der Welt. Übrigens dürfen laut ISO-Norm 3720 nur Blätter und Aufguss aus der Gattung Kamelien (Camellia) als “echter Schwarztee” bezeichnet werden.

Auf Sri Lanka gilt dies für den “Ceylon Tee”. Auf dem Logo prangt ein Löwe mit Schwert, das ist das Gütesiegel. Andere Aufgüsse, die mit Kräutern, Früchten oder Gewürzen angereichert sind, dürfen nach dieser Norm nur als “teeähnliche Erzeugnisse” bezeichnet werden (Quelle: Wikipedia).

Wenn Sie nun alles über die faszinierende Herstellung des Tees erfahren wollen, und wo man dem Produktionsvorgang beiwohnen kann, dann klicken Sie bitte hier:

⇒ Tea Experience 2: Vom Teeblatt zum Teegenuss

tory Resort

© Text: Nathalie Gütermann; Foton


Weitere Impressionen von unserem Plantagen-Ausflug finden Sie in der nachfolgenden Bildergalerie…

Information

Quellen:
Sri Lanka Tea Board, Pure Cylon Tea, Deutscher Teeverband e.V., “Tea & Experience Factory, Wikipedia

Ethik & Nachhaltigkeit:
Wie das Sri Lanka Tea Board auf seiner Webseite mitteilt, ist die Ceylon Tee-Industrie streng reguliert und investiert stark in Nachhaltigkeit, globale “Best Practices” und “Fair Trade”. Auf Umwelt-, Natur- und Bodenschutz wird größten Wert gelegt und die Plantagen- und Fabrikarbeiter erhalten neben ihrem Verdienst auch Anteile am Verkauf des Tees. Durch eine Allianz mit der “Ethical Tea Partnership” wird ihnen außerdem im Rahmen ihres Anstellungsvertrages kostenlose Unterkunft und Gesundheitsversorgung garantiert. Kinderarbeit ist grundsätzlich verboten!

Alle müssen sich an die Vorschriften der nachhaltigen Landwirtschaft halten (Sustainable Agriculture Network). Die 7 Teeregionen sind zudem von der “Rainforest Allianz” zertifiziert worden, die für die Bewahrung der biologischen Vielfalt und gesunder Agrarlandschaften verantwortlich ist. Im Jahre 2016 unterzeichnete Sri Lanka das Pariser Abkommen zum Klimaschutz.

Die Tee-Industrie von Sri Lanka besitzt außerdem die Bio Zertifizierung für ökologischen Anbau und hat zum Ziel, so schnell wie möglich “kohlenstoffneutral” zu sein. Nach und nach werden die CO2-Emissionen reduziert. Bereits seit 2011 darf sich die Dachmarke “100% ozonunschädlicher Ceylon Tee” nennen – “dies ist eine einzigartige Auszeichnung, mit der sich keine andere Teeanbaunation rühmen kann.” (PureCylonTea.com).

Qualitätssiegel:
Achten Sie stets auf das Löwenlogo, denn nur das garantiert, dass es sich hundertprozentig um reinen Ceylon Tee handelt, der auf Sri Lanka gepflückt, verarbeitet und verpackt wurde. Jede Packung mit dem Löwenlogo lässt sich an seinen Ursprungsort zurückverfolgen.

Webseite: https://www.themeresorts.com

Adresse: HOTEL "TEA & EXPERIENCE FACTORY"
Kabaragalla Estate, Ellamulla,
Mandaramnuwara, Sri Lanka

Telefon: +94 81 7 599 599

Email: info.teaandexperiencefactory@themeresorts.com

Lage: Im Hochland der Zentralregion, ca 1 Std. von Nuwara Eliya

Flughafen/Pier: Internationaler Flughafen in Colombo (97 km)

Preisniveau: €€€ - €€€€

Öffnungszeiten: Ganzjährig geöffnet

Küche: Indisch, Asiatisch/Singhalesisch, Nachmittagstee

Share this article on